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JOCHEN P. HEITE

* 05.12.1940, Rostock
hat Pädagogik studiert und später Kunsterziehung nach 4-jährigem Fernstudium in Erfurt abgeschlossen.
Unterrichtsarbeit.
Heizölverlader, Theatermaler, Bühnenbildner - zuletzt an der Oper in Magdeburg.
Sommer ´89 flüchtig, lebt er zwei Jahre auf Kreta von Malerei, Unterricht und Tourismus. Zurück in Deutschland neben - und nach Theaterarbeit Malerei in flächigen Farbkompositionen, erdfarben, mit Tendenz zu Monochrom.
Black Paintings.


AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

1990 Galerie Zygos, Iraklion
1991 Galerie Courd, Athen
2005 / 2014 Foyer des MDR
Landesfunkhauses Magdeburg
2006 Galerie Süd Magdeburg
2006 Ausstellungsankauf einer Serie Rathaus Haldensleben
2009 Forum - Gestaltung Magdeburg
2015 Galerie Christopher Elmerick, Berlin
2016 Galerie Josef Filipp, Baumwollspinnerei Leipzig
2016 Galerie Dietmar Werner, Tangerhütte
2017 Galerie “Kunstwerkstatt“ Giesela Scheffler, Gommern

Kontakt
Telefon +49 391 5628511
E-Mail jochen.p.heite@gmx.de

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JÖRG MIHAN
Dramaturg, Berlin 15.03.17


Wieder einmal lässt Jochen P. Heite seine dunklen Bilder tanzen – diesmal in den hellen, großzügigen Räumen der alten Villa, die die KULTURWERKSTATT GOMMERN beherbergt. Aus seinen Beständen hat Sachsen-Anhalts „Schwarzmaler“ geheimnisvolle Gestaltungen ausgewählt und in Hin- und Rücksicht auf Raum/Fläche/Licht/Betrachter so platziert, dass diesem die Sinne klingen. Nicht die bekannten Metermalmeterquadrate bepflastern die Wände, sondern rechteckige, große und kleine Formate in rhythmischer Folge und thematischen Zusammenhängen. Wo man hinschaut, wird man überrascht. Alles spielt miteinander - seien es die abstrakten Motive, die Materialien von glänzend bis stumpf, die Maltechniken von glatt bis pastos, ja sogar die Abstände voneinander und die Hänghöhen. Alles vermag zu locken, zu fesseln, zu verführen, abzustoßen, zu befremden. Jedem Schritt hin und her, vor und zurück, folgt ein neuer Blick und erzeugt einen neuen Reiz. Mit Mut stellen sich die Bilder dar und harren der Resonanz, die eine assoziativ-emotionale, quasi eine Erinnerung sein wird. Das Lebendige daran ist für den Gast das Erlebnis aktuellen Erinnerns, Einverleibens, Innewerdens, das sich vom einfachen Erinnertwerden an Vergangenes unterscheidet, wenngleich dieses natürlich mitklingen kann. Deutlich wird dieses Phänomen in dem kleinen Raum, der gegenständliche Motive beinhaltet: Schuhe etwa, Seerosen oder Löffel. Hier erhalten Wiedererkennen und Vergleichen ihre Aufgabe, während bei den abstrakten Entwürfen die Suche nach und das Entdecken von Unbenanntem den Besucher beschäftigen.
Die Ausstellung braucht und erzeugt den aktiven Betrachter. Wer sich einlässt auf die Herausforderung, wird beschenkt und angeregt herausgehen.
Die KULTURWERKSTATT GOMMERN ist für diese gediegene, provokante Ausstellung zu beglückwünschen.

2016 Galerie Dietmar Werner, Tangerhütte

2014 Foyer des Landesfunkhauses Magdeburg

2014 Foyer des Landesfunkhauses Magdeburg

2017 Galerie “Werkstatt“ Giesela Scheffler, Gommern

2017 Moritzhof, Magdeburg

2017 Galerie Dietmar Werner, Tangerhütte

Wasserturm, Egeln

Galerie Süd, Magdeburg

KuFa, Haldensleben

Funkhaus, Magdeburg

- selbst -

2018 Herbstart(e) - Autunno d´art(e) a Sacile

2018 Kompositionen 1 - 5 / auf Leinwand 80 cm, Kulturfabrik Haldensleben -KÜNSTLERGILDE-

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2020 Kompositionen - Funkhaus, Magdeburg

CHARLOTTE BUCHHOLZ
Schriftstellerin, Magdeburg


Schwarz - auf der Suche nach den Wurzeln. Farben - grell, laut, bis zum Schmerz. Regenbogen - sanftes Verwischen, Verschmelzen, Harmonie. Schwarz - Einsaugen, Vereinnahmen, Auflösen. Schwarz ist schwarz ist schwarz? Nichts klingt nach? Nichts schwingt mit? Schwarz ist alles, befremdlich, verstörend, rigoros. Schwarz macht Angst. Schwarz ist endgültig, nicht Ausnahme, ist allgegenwärtig, säumt den Alltag, gibt ihm Kontur und Tiefe.
Innehalten. Blumenduft. Augenblau. Regenbogen-Moment. Alles flüchtig.
Schwarz deckt das Dahinter auf, das Warum, das Woher, das Wohin. Das Leben kommt aus dem Dunkel, geht in das Licht und endet im Dunkel. Schwarz als geronnenes Leben. Im Schwarz sucht der Maler nach Wahrheit, erforscht das Unergründliche. Sein Schwarz kann glänzen, sich als Struktur erheben oder einsinken, kann - matt und sanft - die geringste Lichtreflektion einsaugen, aber auch verstörend hell aufscheinen. Da - ein Schwarzgebirge türmt sich; da - ein Krater zackt in die dritte Dimension; da - Wellen gleiten in schimmerndem Schwarz über einen Ozean.
Gedachtes, Gefühltes, Ausschweifendes, Unaussprechbares, schon längst Gesagtes - alles ist eingesunken, zusammengelaufen, geronnen im Schwarz. Doch da sind auch feine Strukturen - schwarzes Leinen, leicht wie ein Windhauch, Kühle in Schwarz. Und jetzt: Licht gräbt sich ins Dunkle, zutage kommt das Darunter, nur einen Moment, schnell, sieh hin, sonst ist der Zauber vorbei, die nächste Wolke verfinstert die Sonne und schneidet dir den Blick ab, den Blick auf das Untergründige. Unter dem Schwarz …? Ja, doch, da ist etwas: Helle; ein verborgenes WIE tritt zutage, eine Ahnung vom WARUM bricht auf. Die schwarze Fläche, das schwarze Quadrat des Malers. Das dahinter Gedachte: Da ist noch etwas, etwas anderes, als das, was man uns zeigt. Ist der Regenbogen aufgegangen im Schwarz, finde ich zu meinen Wurzeln, zum Einen; kann mich rückverbinden mit dem Ganzen, kann erkennen und anerkennen, nicht erfassen. Eine Messgröße für das Ganze gibt es nicht.

50 x 90



70 x 65



46 x 45



62 x 75



60 x 75



55 x 53



58 x 78



70 x 53



70 x 65



55 x 71



52 x 75



65 x 65



80 x 60



60 x 60

Kompositionen in Acryl auf Papier

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Laudatio zum 14. HERBSTSALON | 10.07.2020 | Text: Oliver Scharfbier


GRENZENLOS DENKEN - weißer Stein und schwarze Farbe
. Wenn sich Schwarz und Weiß begegnen, zeugt das in dieser Welt gerade nicht oft von Freundschaft. In unserer Gegenüberstellung von weißem Stein und schwarzer Farbe geht es letztlich auch darum, ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken zu überbrücken, es geht um eine Begegnung mit Hilfe der Kunst, über Landes-Grenzen hinweg. Gar nicht so einfach ist das heute, es hängt nämlich ein Damoklesschwert über dieser Ausstellung, dieses heißt weltweite Pandemie. Die Ungewissheit einer neuen Schließung bzw. Absage der Schau irritierte uns, gewiss wie gerade alle Kulturschaffenden weltweit, in Deutschland genauso wie in Italien. Unter solchen Umständen eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, die im härtesten Kontrast eine einheitliche Bemühung bezeugt – das macht Freude und lässt hoffen.


Vier Jahre ist es her, da besuchte Jochen P. Heite den Bildhauer Angelo Brugnera in seinem Atelier in Sacile und sah erstmals dessen waghalsige Kreationen und mochte kaum glauben, dass diese aus Marmor gehauen waren. Das ist der Vorstellung von diesem Stein geschuldet - Marmor ist stabil,
 hart, glasartig im Sprung und unerbittlich. Im Umgang mit diesem Stein braucht ein Bildhauer auch Nerven. Aber das Material ermöglicht eben bildnerische Abenteuer, die sonst kein Stein duldet. Der 1966 im Veneto geborene Angelo Brugnera formte in den frühen 90er Jahren schwingende Bewegungen aus Terra-Cotta, die in ausladenden Gesten vorüber fließende Zeit einzufangen scheinen. Diese Phase seines künstlerischen Schaffens dauerte ungefähr zwei Jahre, ein erster Erfolg war hierbei der Verkauf eines dieser Werke in Berlin, wohin Freunde die Skulptur mit dem Campingwagen transportierten und in einer Galerie unterbrachten. Da hatte er bereits einiges an Weg hinter sich und sollte alsbald zum Marmor zurückfinden. Ja, zurückfinden, denn mit 16 Jahren begann Angelo eine zweijährige Lehrzeit bei seinem Vater, einem Facharbeiter der Marmorindustrie, hier lernte er den Stein und seine Varianten kennen, lernte die Techniken der Verarbeitung, die Probleme und Risiken derselben, schluckte den Staub und lernte den Klang der Steine zu deuten. Dann folgte der Einzug zum Militär und nach dem Wehrdienst endlich so etwas wie Wanderjahre. Frei nach Constantin Brancusis Worten über die Hand, welche dem Gedanken des Materials folgt, schloss Angelo Brugnera eines Tages seine Augen solange, bis er die formalen Abenteuer in Marmor vor sich sah, die er unbedingt berühren wollte und also erschaffen musste. Das war seine Rückkehr zum Stein. Die halsbrecherischen Eskapaden, die der Marmor unter seiner Regie seitdem vollführt, bringen Angelo Brugnera frühen Ruhm und seine Skulpturen in internationale Sammlungen. Der Bildhauer Brugnera bearbeitet seine sensiblen Marmorblöcke äußerst konsequent. Der Stein wird regelrecht ausgehöhlt, entkernt und scheinbar aus dem Gleichgewicht genommen, das Zentrum sichtbar verrückt und so entstehen absolut „verrückte“ Skulpturen.


Der Herbstsalon e.V. hat gemeinsam mit dem Künstler und der unaufhörlichen Unterstützung der Präsidentin des Dachverbandes Deutsch-Italienischer Gesellschaften VDIG, Rita Marcon-Grothausmann, eine beachtenswerte Auswahl seiner Arbeiten nach Magdeburg bringen können. So erfüllt sich ein tiefempfundener Wunsch des deutschen Malers Jochen P. Heite, nämlich seine schwarzen Malereien diesen lichten Skulpturen gegenüber zu stellen. Weil eben das gleiche Licht auch in seinen Werken lebt und nun endlich einmal ein jeder das auch sehen können soll. In unseren Gesprächen kommt der Heite sowieso immer auf den didaktischen Teil seines Wirkens zu sprechen. Und viele hier kennen ihn ja auch als Lehrer, der er seinem Wesen nach immer war und den er selbst auch nicht verlassen will, erst recht nicht in seinem Spätwerk, das also schwarz ist aber eigentlich vom Licht erzählt. Jochen Paul Heite, Grenzgänger, Theaterbildner, Exilsuchender, Vorständler, Gründer, Maler, wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Diese Ausstellung ist seine Ausstellung, unsere Begegnung mit den italienischen Skulpturen ist seine Begegnung mit Italien, seine Freundschaft mit der Landschaft des Veneto, die wir 2016 gemeinsam bereist haben, die aber ein jeder alleinig geatmet hat. Und seiner Vorstellung von Gegenüberstellung zweier Werkvorstellungen entsprechen wir hier heute im Elbfoyer des MDR-Landesfunkhauses, einem Ort, der eine Fokussierung auf das eigentliche Element beider Gattungen zulässt – die Konzentration auf das Licht.


Transformation und Metamorphose sind uns wichtige Aspekte der Kunst, auch die Titel Brugneras erzählen davon. Wir betrachten die kokonartig geformte Skulptur Ora la chiamano farfalla – (jetzt nennen sie es Schmetterling) oder den Torso il maglione di pelle – (den Pullover aus Haut /oder der Lederpullover). Mit solchen Titeln bestätigt Brugnera seinen Umgang mit dem Material Marmor, der fast ans Undankbare grenzt, wenn man bedenkt, wie viel des Steins er herausschält aus der Form, um letztlich fast nur Häute abzuliefern, die um sich selbst gewickelt, verdreht und auch überspannt ihren biomorphen Ursprung verraten. In dieser Dramaturgie pulsiert ein Licht, als flösse es durch ein ungeahntes Adergeflecht, als sei der Stein von innen heraus beseelt. Das Spiel der Formen mag ablenken, doch die Suche nach Licht in den Arbeiten bezeugt Demut vor mehr als dem Material. Ich benenne das so, weil ich beim ersten Kontakt vornehmlich eine Nähe zum italienischen Design wahrnehmen wollte und vielleicht auch voreingenommen diese nicht ganz korrekte Verortung in meiner Betrachtung festlegte. Ich erinnere mich sehr genau, dass speziell der technische Unterbau der Skulpturen mich von ihrer Metaebene geschickt ablenkte. Diese ist aber nur scheinbar dem Überraschungseffekt untergeordnet, so wie die ganze Skulptur nur scheinbar aus dem Mittelpunkt ihrer selbst gerückt ist. Das Erhabene gewinnt, Ehrlichkeit gewinnt und Frechheit siegt.


Stellen Sie sich ein Ensemble aus schwarzen Kuchenblechen vor, als Tableau an der Wand, das kann erhaben und wahnwitzig sein, solang es ehrlich gemeint ist. „Eine schwarze Fläche ist das Wahnwitzigste was man machen kann“, sagt Jochen P. Heite, der als ehemaliger Theatermaler auch weiß, dass Dekoration eine sehr ursprüngliche Position ist. Nun malt er als Pensionär in einer Art, die ihn dazu verleitet sich einen Epigonen zu nennen. Er macht das ganz bewusst. Denn er weiß um seine Vordenker. Seitdem Kasimir Malewitsch 1915 sein erstes Schwarzes Quadrat auf Leinwand malte, sind mehr als hundert Jahre verstrichen. Das Zwanzigste Jahrhundert kennt viele großartige Künstler, die mit Schwarz gearbeitet haben - jedoch nur einen Großmeister der Schwarzmalerei. Die Retrospektive über das Wirken des mittlerweile 100 jährigen Franzosen Pierre Soulages, 2010 im Walter-Gropius-Bau in Berlin, der immer wieder betont, dass er eigentlich dem Licht huldigt, beeindrucken Jochen P. Heite nachhaltig. Und so huldigt Heite nicht minder dem Schwarz, ausschließlich, als Pensionär, ohne Angst, etwas falsch zu machen, ohne Anspruch auf Ruhm. Er malt aus Begeisterung, in Demut (da ist sie wieder) vor den Großen, weil für ihn ein schwarzes Bild besser als ein Abbild ist. Seine heute hier gezeigten Arbeiten tragen keine Titel, denn ein gestalterisches Anliegen allein braucht keinen Titel. Sagt er, der durchaus einigen seiner Bilder Titel gönnt, wenn es einen empathischen Kontext gibt, einen biografischen Selbstbezug vielleicht oder den Hinweis auf eine Reminiszenz, wie etwa bei den Seerosen in dieser Ausstellung. In der Regel jedoch stehen seine Arbeiten ohne Titel da, in Klammern dann eine kurze Beschreibung, doch eher aus versicherungstechnischen Gründen. Unnötig, Poesie hineinzulegen in einen Arbeitsprozess, der genau dann endet, wenn der Heite sagt: Jetzt ist es!


Doch zur Fläche gehört auch Form - dem Jochen P. Heite war es in „seinem“ Herbstsalon immer wichtig, die klassische Begegnung von Malerei und Bildhauerei zu fördern. Deswegen stehen sich auch in dieser Ausstellung Arbeiten dieser Genres gegenüber, die sehr durch die jeweilige Konsequenz ihrer Schöpfer geprägt sind. Als Kurator an dieser Schau beteiligt zu sein macht mir ehrlich gesagt großes Vergnügen - auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Verein intern streiten musste über einen Plan B, den es meiner und Jochens Meinung nach nicht geben konnte und der zum Glück ganz obsolet dahinfuhr, weil Angelo Brugnera es schaffte, seine Galerien von der kulturellen Notwendigkeit dieser Ausstellung in Zeiten der Pandemie zu überzeugen. Unsere Exponate sind also verkäufliche Leihgaben und umso mehr schätzen alle Beteiligten Parteien das Abstandsgebot, welches heute ganz besonders für die Skulpturen gilt – bitte, nicht berühren! Freuen wir uns über diese Begegnung in diesen Räumlichkeiten, die ja einen Abstand zwischen den Positionen regelrecht einfordern und genießen den Dialog zwischen Weiß und Schwarz, Licht und Schatten, über die Alpen hinweg, über die neue Angst vor Begegnung hinweg – lassen Sie uns grenzenlos denken.


Jochen P. Heite als Kurator der vorangegangenen Ausstellung in Sacile, mit italienischen Künstlern und den noch beteiligten Malern Frank Meier und Oliver Scharfbier aus Magdeburg.

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